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Historische Ansicht von Waiblingen
Geschichte

Waiblingen wirbt mit dem Slogan "Junge Stadt in alten Mauern" und hat im Jahr 2000 sein 750-jähriges Jubiläum gefeiert. Eine Urkunde über die Stadterhebung liegt zwar nicht vor, es gibt aber Anhaltspunkte darüber, dass Waiblingen schon vor dem Jahr 1250 Stadt war.
Spätestens in der Mitte des 13. Jahrhunderts befand sich Waiblingen im Besitz der Grafen von Wirtemberg waren. Das älteste erhaltene Stadtsiegel aus dem Jahr 1291 zeigt deshalb auch das Hauswappen der Wirtemberger, die drei übereinander liegenden Hirsch-Stangen.

Im Zusammenhang mit der staufischen Geschichts-Schreibung weist der Biograph Barbarossas, Bischof Otto von Freising (1111/14 - 1158) allerdings auf die salischen Kaiser als Vorfahren der Staufer hin und bringt sie mit dem Namen von Waiblingen in Beziehung. Freising: "Es gab im römischen Reich im Gebiet von Gallien und Germanien bisher zwei berühmte Familien; die eine war die der 'Heinriche von Waiblingen', die andere die der Welfen von Altdorf. Die eine pflegte Kaiser hervorzubringen, die andere große Herzöge."
Die salischen Kaiser, die "Heinriche von Waiblingen", besaßen ererbtes Land im Remstal und in Waiblingen, das sich bis auf die Karolinger zurückführen lässt.
Durch die Heirat des staufischen Herzogs Friedrich I. mit der salischen Kaiser-Tochter Agnes kamen die Staufer in den Besitz des karolingisch-salischen Erbes, das auch die Waiblinger Gegend einschloss. Die chronologische Tradition, die Waiblingen auf diese Weise in die Reichs-Geschichte einbrachte, findet jedoch in der heutigen Stadt leider keinerlei historisch überlieferte, bauliche Entsprechung.

Unterwegs mit dem Nachtwchter

Dennoch gibt es seit vielen Jahren eine volkstümliche, meist mündlich überlieferte "Waiblinger Tradition", die mit der staufischen Partei in engem Zusammenhang gebracht wird. In Italien werden heute noch die damals staufischen Verbündeten "Ghibellini" im Gegensatz zu den "Guelfi", den welfischen Parteigängern, bezeichnet. Auf die Konkurrenz zwischen Staufern und Welfen bezog man deshalb den einstigen Schlacht-ruf "Hie Welf!" - "Hie Waibling!"
Die bis heute weitgehend erhalten gebliebene Altstadt Waiblingens, die aus den Jahren 1640 bis 1700 stammt, gehört zu den denkmalgeschützten, historisch wertvollen Gesamt-Ensembles in der Region Stuttgart.

Einen direkten Nachweis zur mittelalterlichen wirtembergischen Bedeutung Waiblingens liefert die 1287 erfolgte Gegen-Gründung von Neustadt ("Nova Civitas"), die Waiblingen schwächen sollte. Im kurz darauf folgenden Reichskrieg wurde Waiblingen 1291/93 zerstört. Die Stadt wurde erst wieder 1315 wirtembergisch, nachdem sie vorher der Reichs-Stadt Esslingen am Neckar unterstellt worden war.

Heute Ernte 1875 vor den Toren Waiblingens

Sechs Jahre später, 1321, erhielt Waiblingen eine für die weitere Entwicklung der Stadt ausschlaggebende Zäsur: Die Wirtemberger zogen ihre Grablege von Weinstadt-Beutelsbach im Remstal nach Stuttgart ab und bauten Stuttgart aus. Damit verlor Waiblingen die Chance, sich als wirtembergische "Hauptstadt" zu etablieren und reihte sich als zweite Grafenstadt in die anderen wirtembergischen Gründungen ein.

Anfang des 15. Jahrhunderts wurde Waiblingen, wie vergleichbare wirtembergische Städte auch, Wohn- und Alters-Sitz von Mitgliedern der gräflichen, später herzoglichen wirtembergischen Familie. Im ehemaligen Baukomplex der Wirtemberger, dort, wo heute das Waiblinger Rathaus steht, wohnten Grafen-Söhne mit ihren Familien, verbrachten Gräfinnen ihren Lebensabend.

Der Alte Postplatz heute

Bis zum Ende des Jahrhunderts setzte in Waiblingen eine rege Bautätigkeit ein, die außerhalb der Stadtmauer gelegene Michaelskirche wurde um- bzw. neu gebaut, der äußere Mauer-Ring wurde gezogen, die Stadt-Tore erhöht und mit Wappensteinen ausgestattet wie z.B. das 1491 entstandene Wappen von Graf Eberhard am Beinsteiner Torturm.
1482/83 floh die Universität Tübingen vor der Pest nach Waiblingen, kehrte aber nach dem Abflauen der Seuche wieder nach Tübingen zurück. Die folgenden Jahrzehnte waren von Krieg und Unruhen geprägt, die Reformation breitete sich aus und kündigte ein neues Zeitalter an, das sich für Waiblingen wiederum negativ auswirkte. Die Stadt wurde während des 30-jährigen Kriegs (1634) bis auf wenige Häuser vollständig abgebrannt, die Bewohner wurden umgebracht oder von der Soldateska verschleppt.

Der Wiederaufbau Waiblingens zog sich mehr als 150 Jahre hin, bis die Stadt wieder den Bestand erreicht hatte, den sie vor der Vernichtung hatte.

Die größte Stadt des Rems-Murr-Kreises war schon immer ein Verwaltungs-Mittelpunkt, einst von der Mitte des 13. Jahrhunderts an als Herzogs- und Grafen-Stadt und dann von 1759 an als Oberamts-Stadt. Damals hatte der kleine Verwaltungs-Bezirk etwa ein Dutzend Dörfer. Anfang des 19. Jahrhunderts kam das "Hintere Amt" Winnenden noch hinzu. Als 1923 der Oberamts-Bezirk Cannstatt aufgelöst wurde, beschloss der Landtag die Gemeinden Fellbach, Öffingen, Rommelshausen, Schmiden und Stetten dem Oberamts-Bezirk Waiblingen "einzuverleiben". 1938 wurde der Kreis Schorndorf hinzugefügt.

Im Jahr 1962 wurde Waiblingen "Große Kreisstadt" und damit untere Verwaltungs-Behörde. Bei der Kreisreform von 1973 blieb Waiblingen die Kreisstadt des nun aus den ehemaligen Kreisen Waiblingen und Backnang gebildeten neuen Rems-Murr-Kreises.